DIE NEUE SAISON IST DA

REBECCA FIEGL

Als ich in den österreichischen Alpen aufwuchs und immer auf der Suche nach neuen Abfahrten war, hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich eines Tages in Nordchile auf Wüstenklippen freeriden würde. Aber genau das ist das Faszinierende an den Bergen – sie verändern einen und ziehen einen immer wieder in neue Richtungen.

Heimat: Geboren in Tirol/Österreich, lebt seit 6 Jahren in Alaska
Sponsoren:
DHaRCO, Nobl Wheels, The Feed, Wildsty, Fox
Hauptberuf: Finanzplaner
Fahrräder:
Downhill-Bike – Banshee Legend,
Enduro-Bike – Santa Cruz Megatower,
Trail-Bike – Santa Cruz Hightower 

WO ALLES BEGANN

Mit zwei Jahren stand ich zum ersten Mal auf Skiern, irgendwo tief im österreichischen Ötztal in Tirol. Wie für viele Kinder aus dieser Region war Skifahren nicht nur ein Sport – es war eine Lebenseinstellung. Später besuchte ich eine Skischule und fuhr professionell Rennen. Jedes Jahr war ein Wirrwarr aus frühem Aufstehen, eiskalten Skischuhen und dem Kampf um Hundertstelsekunden auf vereisten Rennstrecken.

Dieser Weg führte mich über den Ozean in die USA, wo ich dank eines Sportstipendiums in der NCAA Division 1 im alpinen Skisport antrat. Ich wurde zweimal All-American – das klingt für mich immer noch unwirklich. Doch nach Jahren, in denen ich in der Struktur und unter dem Druck des Wettkampfs gelebt hatte, verspürte ich den Drang, etwas Neues zu entdecken – etwas, das mir mehr Freiraum bot.

Die Skier gegen zwei Räder eintauschen

Als ich mich vom Skirennsport zurückzog, habe ich mich nicht von den Bergen abgewendet. Ich habe einfach eine andere Art gefunden, sie zu befahren.

Mountainbiken begann als Sommerhobby – eine Möglichkeit, fit und bei Laune zu bleiben, wenn der Schnee schmolz. Doch schon bald wurde es zu etwas mehr. Das Gefühl, eine schnelle, lehmige Strecke hinunterzusausen oder eine technische Passage zu meistern, verschaffte mir denselben Nervenkitzel wie Skifahren – nur mit mehr Dreck.

Ich habe angefangen, an einigen Enduro- und DH-Rennen in Alaska teilzunehmen, und mich außerdem im Trailbau engagiert – also das Gelände zu gestalten, anstatt nur darauf zu fahren. Von der Mithilfe beim Bau neuer Strecken mit der lokalen Crew über die Teilnahme an der Alaska-Serie bis hin zur Suche nach Freeride-Spots in der Wildnis war es eine Saison voller Lernerfahrungen, Fortschritte und jeder Menge lockerer Kurven.

Einer der schönsten Aspekte war es, dazu beizutragen, eine offeneren MTB-Community für Frauen aufzubauen. Ob durch das Teilen von Strecken oder einfach nur durch das Teilen der Begeisterung – mir geht es darum, Freeride so spaßig und einladend zu gestalten, wie es aussieht.

Was die Reifen gerade berühren

Nach einem unglaublichen Sommer in Europa, in dem ich alles von Bikeparks bis hin zu alpinen Singletrails befahren habe, kehre ich nun nach Chile zurück – ein Ort, der einen großen Teil meines Herzens erobert hat. Mein Partner ist dort tief in der Freeride-Szene verwurzelt, und wir sind auf der Suche nach neuen Gebieten, neuen Trails und neuen Möglichkeiten, uns auf dem Bike zu verbessern.

Anfang dieses Jahres durfte ich in Antofagasta fahren, und das Erlebnis war einfach unglaublich – eine raue, jenseitige Wüstenlandschaft, in der man sich wie auf einem anderen Planeten fühlte. Das Freeride-Gelände war steil, exponiert und absolut atemberaubend. Diese Reise hat mich daran erinnert, warum ich diesen Weg so liebe – kein Drehbuch, keine Struktur, nur Kreativität und Hingabe.

WOHIN AUCH IMMER DER WEG FÜHRT

Im Moment ist das Ziel ganz einfach: weiterhin gute Lines, ein breites Lächeln und wilde Abfahrten suchen. Ich möchte mich weiterentwickeln, noch größere Sprünge wagen und weiterhin Trails gestalten, die den nächsten Fahrer dazu inspirieren, sich ins Geschehen zu stürzen.

Ich weiß nicht genau, wohin mich der Wind als Nächstes treiben wird – aber wenn es dort Erde, Berge und nette Leute gibt, bin ich dabei.